Eine Herzensangelegenheit: 30 Jahre Schalke-Fanclub „Wir lassen die Sau raus“

06.08.2019

Stefanie Dullweber

Die Fahrt ist das Ziel, sagen die Hiller Schalke-Fans. Wenn der Bus an der Gaststätte „Hiller Krug“ losfährt, beginnt für die Anhänger die Party. - © Foto: pr
Die Fahrt ist das Ziel, sagen die Hiller Schalke-Fans. Wenn der Bus an der Gaststätte „Hiller Krug“ losfährt, beginnt für die Anhänger die Party. (© Foto: pr)

Hille (mt). „Ich hatte schon den Meisterrasen ausgebuddelt“, sagt Harald „Harry“ Kleine. Wenn der Schalke-Fan über den 19. Mai 2001 spricht, bekommt er heute noch eine Gänsehaut. Es war der Tag, als der FC Schalke 04 vier Minuten Meister war, bevor die Bayern ihnen den Titel doch noch wegschnappten. „Ich habe noch nie so viele weinende Menschen gesehen. Diesen Moment werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen“, sagt Holger Finke, der zusammen mit Harry Kleine und vielen weiteren Hiller Schalke-Fans im Stadion war. Finke ist der erste Vorsitzende des Schalke-Fanclubs „Wir lassen die Sau raus“ – mit 394 Mitgliedern einer der größten in der Region. Gemeinsam haben die treuen Anhänger aber nicht nur Tiefen, sondern auch viele Höhen erlebt, wie sie anlässlich des 30-jährigen Bestehens ihres Fanclubs berichten.

Jung und Alt: Die Mitglieder des Fanclubs sind 16 bis 80 Jahre alt. - © Foto: pr
Jung und Alt: Die Mitglieder des Fanclubs sind 16 bis 80 Jahre alt. (© Foto: pr)

Zum MT-Gespräch tragen die Vorstandsmitglieder selbstverständlich Trikots oder T-Shirts mit dem blau-weißen Emblem. Vor der Gartenhütte weht eine Schalke-Fahne und selbst die Gläser tragen die Symbole des Vereins aus dem Pott. Schalke – das ist für die Mitglieder des Fanclubs ein Lebensgefühl, sagen sie, wie eine große Familie und eine Herzensangelegenheit. Apropos Herz: Harry Kleine, zweiter Vorsitzender im Fanclub, hat sogar seine Frau auf Schalke kennengelernt. Birgitt Kleine-Rommelmann, heute zweite Geschäftsführerin, wollte 2005 einfach nur mal mit ins Stadion. „Seitdem bin ich infiziert“, sagt sie. Und schließlich hat es zwischen den beiden in der Nordkurve gefunkt.

Auf den Fanclub: Zum 30-Jährigen unternahmen die Anhänger ein Schifffahrt auf der Weser. - © Foto: pr
Auf den Fanclub: Zum 30-Jährigen unternahmen die Anhänger ein Schifffahrt auf der Weser. (© Foto: pr)

Seit 2011 fahren die Mitglieder des Hiller Fanclubs zu jedem Heimspiel. 36 Dauerkarten haben sie seitdem – vergleichsweise viel. Um diese zu bezahlen, hat der Verein anfangs sogar einen Kredit aufgenommen. Über ein Ticketsystem auf der vereinseigenen Homepage melden sich die Mitglieder für die Fahrten an. „Seit einigen Jahren haben wir immer den gleichen Busfahrer. Der ist zwar Hamburg-Fan, aber das macht nichts“, sagt Harry Kleine, der selber nicht von Beginn an „blau-weiß“ war. In Bremen sei die Stimmung aber immer so schlecht gewesen, dass er irgendwann mit seinem Sohn zu einem Spiel von Schalke gefahren sei. „Seitdem fahren wir nur noch nach Gelsenkirchen.“

Wenn der Bus zu den Heimspielen an der Gaststätte „Hiller Krug“ losfährt, dann geht auch die Party los, sagt Andreas „Taube“ Mayer, erster Geschäftsführer. Jung und Alt seien dann unterwegs. „Wir haben einen super Zusammenhalt, weil wir alle ein Ziel haben.“ Und komischerweise sei die Stimmung im Bus nach Niederlagen meist sogar besser als nach einem Sieg der Schalker, verrät der erste Schriftführer Andreas Noch.

Was die Hiller nicht mögen, sind Leute, die nur Krawall machen wollen. „Davon distanzieren wir uns und solche Leute wollen wir auch nicht im Fanclub haben“, macht Holger Finke deutlich. Und damit niemand den Namen „Wir lassen die Sau raus“ falsch versteht, gab sich der Fanclub später den Beinamen „Wir wollen uns Freunde machen, niemanden vor den Kopf stoßen.“

Freunde haben sich die Hiller in den letzten drei Jahrzehnten viele gemacht – bei Fan-Turnieren, bei Versammlungen und bei gemeinsamen Reisen. Andreas Mayer und Andreas Noch erinnern sich gerne an ein Trainingslager mit Fans, das die Schalker 1990 veranstalteten. Den Wimpel, den er von „Didi“ Schacht geschenkt bekommen habe, halte er heute noch in Ehren, sagt Andreas Noch. Sie hätten mit den Spielern zusammen im Pool gesessen und anschließend seien sie von Mannschaftsbetreuer „Charly“ Neumann an die Bar eingeladen worden. Der guten Kontaktpflege ist es sicherlich auch zu verdanken, dass einige Schalker Größen beim Hiller Fanclub zu Gast waren, darunter Rudi Assauer, Udo Lattek, Yves Eigenrauch, Carlos Grossmüller und Gustavo Varela.

Längst nicht alle der knapp 400 Mitglieder kommen aus der Gemeinde, sondern aus ganz Ostwestfalen-Lippe. Gemeinsam haben sie das 30-jährige Bestehen ihres Vereins mit einer Schifffahrt auf der Weser gefeiert. Die Feier war bereits im Juli, obwohl die offizielle Gründungsversammlung erst am 11. September 1989 stattgefunden hatte. Allerdings geht im August die neue Bundesligasaison los – heißt, die Schalke-Fans sind wieder unterwegs. Zum ersten Heimspiel empfangen die Schalker am 24. August direkt die Bayern – eine schwierige Aufgabe. „Die Fahrt ist das Ziel“, sagt Andreas Noch und lacht.

Und auch den Traum von der Meisterschaft haben die Schalke-Fans noch nicht ausgeträumt. „Auch wenn es vielleicht nie so kommen wird – der Wunsch, Deutscher Meister zu werden, treibt uns an.“ Und Holger Finke ergänzt lachend: „Dann machen wir ein richtiges Fass auf – wenn wir dann noch nicht zu alt sind und noch laufen können.“

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